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Allergie

  

Die Häufigkeit an Patienten, die an einer allergischen Erkrankung leiden nimmt stetig zu. Derzeit sind bereits 30 bis 40% der Weltbevölkerung von allergischen Erkrankungen betroffen [1]. Allergische Erkrankungen werden durch Allergene verursacht, die je nachdem, wie sie mit dem menschlichen Körper in Kontakt kommen, in vier unterschiedliche Gruppen zusammengefasst werden können: Inhalations-, Einnahme- (z.B.: mit der Ernährung), Kontakt- und Injektionsallergene [2, 3]. Allergien manifestieren sich entweder lokal, beispielsweise als allergische Rhinitis oder Heuschnupfen, allergisches Asthma, Nahrungsmittelallergie oder allergische (Binde-)Hautentzündungen. Allergien können aber auch zu systemischen (=den gesamten Körper betreffenden), sogenannten anaphylaktischen Reaktionen führen.  

 

Atemwegsallergien und Inhalationsallergene

Bäume, Gräser und Unkraut geben während der Blütezeit Pollen in die Luft ab. Pollen werden vom Wind transportiert und können schließlich ihren Weg in die Atemwege des Menschen finden. Hier ist es möglich, dass allergene Verbindungen im Pollen das Immunsystem aktivieren. Solche Verbindungen werden als "Allergene" klassifiziert. Bei Allergikern erkennt das Immunsystem im Zuge der „allergischen Sensibilisierung“ die harmlosen Pollen als "Gefahrensignal" und produziert so spezifische IgE-Antikörper dagegen. IgE-Antikörper sind spezialisierte Proteine, die vom Immunsystem produziert. Wird man erneut Pollen und Allergenen ausgesetzt, entwickeln betroffene Patienten Symptome wie allergischen Schnupfen oder allergische Bindehautentzündung.Das Vorhandensein solcher IgE-Antikörper und die genaue Anamnese der Symptomatik eines Patienten sind Voraussetzung für eine gezielte klinische Diagnose. In Europa leiden in etwa 10% der Bevölkerung an "Heuschnupfen" –Symptomen, die von Pollen ausgelöst werden, und 76% aller Allergiker sind gegen Pollen allergisch [4].

 

Birkenpollenallergie

In großen Teilen Europas sind Birkenpollen (Betula verrucosa) die Hauptverursacher von frühjährlichen allergischen Reaktionen und Heuschnupfen. Birkenpollen-Allergiker leiden meist unter Symptomen der Atemwege wie Niesen, Husten, Kratzen im Hals oder allergischem Asthma. Weitere Symptome sind Störungen des Verdauungstraktes, geschwollene Augen und Entzündungen [5]. Über 95% aller Birkenpollenallergiker sind gegen ein bestimmtes Birkenpollenprotein (Allergen) sensibilisiert. Dieses wird Bet v 1 genannt und stellt aufgrund der hohen Sensibilisierungsrate das bedeutendste Birkenpollenallergen dar [6, 7].

 

Diagnose von Birkenpollenallergie

Zur Diagnose von Patienten mit allergischen Erkrankungen und einer entsprechenden klinischen Anamnese werden in der Regel folgende Diagnosemethoden verwendet [8-10]:

  • Hautpricktest
  • Messung von serologischen IgE Antikörpern
  • Zellbasierte Techniken
  • Provokationstests

 

Allergen-Immuntherapie (AIT)

Derzeit fokussieren die meisten verfügbaren therapeutischen Ansätze auf die Unterdrückung der Symptome von respiratorischen allergischen Erkrankungen (z.B. Verschreibung von Antihistaminika). Die einzige verfügbare Behandlungsmethode, die die Erkrankung an ihrer molekularen Ursachen bekämpft, stellt die Allergen-Immuntherapie (AIT) dar. Nach gängigen AIT-Protokollen, erhältein Patient wöchentlich-ansteigende Dosen von Pollenextrakten, die solange erhöht werden bis die Erhaltungsdosis erreicht wird. Nach Erreichen der Erhaltungsdosis erhält der Patient schließlich monatliche Injektionen des Extraktes über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren hinweg. Während dieser Zeit wird das Immunsystem darauf programmiert, das Allergen zu tolerieren und somit keine weiteren allergischen Immunreaktionen auszulösen. Die Behandlung kann die Lebensqualität des Patienten für einen langen Zeitraum, wenn nicht sogar für immer, verbessern [11-15]!

 

Problem: Nebenwirkungen, Innovation: Hypoallergene

Manchmal entwickeln AIT-Patienten im Verlauf der Behandlung Nebenwirkungen wie örtliche Entzündungen und Schwellungen. In einigen Fällen können auch ernsthafte systemische Reaktionen auftreten. Das Auftreten solcher Nebenwirkungen während der AIT wird durch die Verwendung natürlicher Pollenextrakte, einschließlich der IgE-reaktiver Allergene, erklärt. Molekularbiologen haben einen Weg gefunden, dieses Problem zu lösen, indem sie hypoallergene ("inaktive") Varianten der natürlichen "aktiven" Allergene entwickelt haben. Diese Varianten werden als Hypoallergene bezeichnet. Die Varianten sind immer noch immunogen, was ihnen die Möglichkeit gibt, das Immunsystem umzuprogrammieren, um das Allergen zu tolerieren. Dies kann ohne unerwartete und unerwünschte Nebenwirkungen erreicht werden [16, 17].

 

Weitere Informationen für Patienten und Patientenverbände

Die European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) ist eine Vereinigung von Klinikern, Forschern und verwandten medizinischen Fachkräften, welche sich der Verbesserung der Gesundheit von Menschen verschrieben hat, die von allergischen Erkrankungen betroffen sind. Die EAACI hat eine spezielle  PATIENTS AREA geschaffen, die Informationen und Beratung für allergische Patienten weltweit bietet.

Für weitere Informationen zu allergischen Erkrankungen hat die EACCI einen "Global Atlas of Allergy" veröffentlicht, der als pdf-Dokument unter Verwendung des angegebenen Links heruntergeladen werden kann. 

 

 

Zur weiteren Recherche besuchen Sie bitte folgende Webseiten:

  • Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie 
    http://dgaki.de/

 

 

Referenzen

  1. Ruby Pawankar, G.W.C., Stephen T. Holgate, Richard F. Lockey, WAO White Book on Allergy 2011-2012: Executive Summary., in WAO World Allergy Organization - A World Federation of Allergy, Asthma and Clinical Immunology Societies. 2011-2012.
  2. Platts-Mills, T.A. and J.A. Woodfolk, Allergens and their role in the allergic immune response. Immunol Rev, 2011. 242(1): p. 51-68.
  3. Karp, C.L., Guilt by intimate association: what makes an allergen an allergen? J Allergy Clin Immunol, 2010. 125(5): p. 955-60; quiz 961-2.
  4. Chivato, T., et al., Allergy, living and learning: diagnosis and treatment of allergic respiratory diseases in Europe. J Investig Allergol Clin Immunol, 2012. 22(3): p. 168-79.
  5. Rentzos, G., et al., Intestinal allergic inflammation in birch pollen allergic patients in relation to pollen season, IgE sensitization profile and gastrointestinal symptoms. Clin Transl Allergy, 2014. 4: p. 19.
  6. Asam, C., et al., Bet v 1--a Trojan horse for small ligands boosting allergic sensitization? Clin Exp Allergy, 2014. 44(8): p. 1083-93.
  7. Smith, M., et al., Geographic and temporal variations in pollen exposure across Europe. Allergy, 2014. 69(7): p. 913-23.
  8. Kim, Y.H., et al., Correlation between skin prick test and MAST-immunoblot results in patients with chronic rhinitis. Asian Pac J Allergy Immunol, 2013. 31(1): p. 20-5.
  9. Cross, S., S. Buck, and J. Hubbard, Allergy in general practice. BMJ, 1998. 316(7144): p. 1584-7.
  10. Sastre, J., Molecular diagnosis in allergy. Clin Exp Allergy, 2010. 40(10): p. 1442-60.
  11. Ceuppens, J.L., et al., Immunotherapy with a modified birch pollen extract in allergic rhinoconjunctivitis: clinical and immunological effects. Clin Exp Allergy, 2009. 39(12): p. 1903-9.
  12. Akdis, C.A. and M. Akdis, Mechanisms of allergen-specific immunotherapy and immune tolerance to allergens. World Allergy Organ J, 2015. 8(1): p. 17.
  13. Kappen, J.H., et al., Applications and mechanisms of immunotherapy in allergic rhinitis and asthma. Ther Adv Respir Dis, 2017. 11(1): p. 73-86.
  14. Soyka, M.B., D. Holzmann, and C.A. Akdis, Regulatory cells in allergen-specific immunotherapy. Immunotherapy, 2012. 4(4): p. 389-96.
  15. Valenta, R., et al., Recombinant allergens for allergen-specific immunotherapy: 10 years anniversary of immunotherapy with recombinant allergens. Allergy, 2011. 66(6): p. 775-83.
  16. Luger, E.O., et al., Allergy for a lifetime? Allergol Int, 2010. 59(1): p. 1-8.
  17. Pelaia, G., A. Vatrella, and R. Maselli, The potential of biologics for the treatment of asthma. Nat Rev Drug Discov, 2012. 11(12): p. 958-72.